Buchrezension - Zwei Herzen


Zwei Herzen von Sabrina J. Kirschner

Die „Zwei Herzen“ von der Autorin Sabrina J. Kirschner erschienen 2019 im Carlsen Verlag. Sie sind als gebundene Ausgabe, als Hörbuch oder in der Kindle-Version verfügbar.


Band 1 – „Pias Geschichte“ wurde gelesen von Hannah Schepmann, Band 2 – „Maries Geschichte“ von Tabea Hilbert. Die Sprecherinnen konnten jeweils die Geschichte gut und spannend erzählen. Die Dialoge allerdings wirken auf mich recht laienhaft. Es ist deutlich zu merken, dass hier versucht wurde, die Dialoge glaubhaft und realitätsnah zu sprechen, doch beim Versuch ist es – meiner Meinung nach – geblieben. Dennoch habe ich die Hörbücher gern gehört. Ich konnte gut alles um mich herum vergessen und voll in die Geschichte eintauchen. Als störend empfand ich, dass in „Maries Geschichte“ die Kapitelnummern angesagt wurden. Die kleineren Pausen ohne Ansage in „Pias Geschichte“ fand ich besser. Die Ansage stört leicht den Fluss der Geschichte.


Die Handlungen spielen auf einer Nordseeinsel, die namentlich nie genannt wird. Das tut der Spannung jedoch keinen Abbruch.


„Zwei Herzen“ sind zwei Bände für Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren, die vordergründig Pferdeliebe aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, die Geschichte des „doppelten Lottchens“ neu erzählt und ein bisschen Romantik darf in einem Jugendbuch natürlich auch nicht fehlen. Die Handlungen sind altersgerecht einfach nachvollziehbar, aber keinesfalls langweilig.


Beide Bände können eigenständig gelesen werden. Nach Band 1 – „Pias Geschichte“ habe ich mit mir gerungen, ob ich Band 2 – „Maries Geschichte“ auch noch hören möchte. Doch es sind einige Fragen offengeblieben, von denen ich hoffte, sie würden im zweiten Band beantwortet. Und ich wurde nicht enttäuscht. Es blieb spannend bis zum Schluss.


Pia und Marie sind zwei Teenager, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Pia nur vom Reiten träumen kann, geschweige denn von einem eigenen Pferd hat Marie alles, wovon andere Mädchen träumen: Ein eigenes Pferd, einen gutaussehenden Halbbruder und ein Wohnschloss. Marie bestreitet sogar regelmäßig Turniere. Doch es gibt zwei Gemeinsamkeiten – Pia und Marie sehen sich zum Verwechseln ähnlich und ihr Herz schlägt für Pferde.


Ein Reitunfall verändert das Leben beider Mädchen schlagartig und weitreichend. Aus ihren gewohnten Leben herausgerissen, begegnen sie ihren Seelenpferden und ihrer großen Liebe. Typisch Teenagergeschichten eben. Jedoch versteht es die Autorin, dies spannend und anschaulich zu erzählen. Voll konzentriert auf das Hörbuch wurde meine Phantasie beflügelt und vor meinem inneren Auge hatte ich die passenden Bilder dazu. Sabrina J. Kirschner versteht es auch, den Pferdetraum so zu beschreiben, so dass ich mir gewünscht habe, ich wäre die Protagonistin gewesen und hätte das live erleben dürfen. Und ich bin noch mehr bestärkt darin, meinen persönlichen Pferdetraum noch zu leben.


Anfangs erweckt es den Eindruck, als seien Goldglanz und Dark Shadow Problempferde. Letztlich brauchte es jedoch nur die Zuneigung ihres Menschen, Pia und Marie. Mit ihren Seelenpferden erleben die zwei Mädchen jede Menge Abenteuer, die dazu beitragen, dass die Problempferde am Ende keine mehr sind. Der erzieherische Charakter der Geschichten trägt dazu bei, zu vermitteln, dass es jedoch nie Problempferde waren, sondern sie nur die richtige Zuwendung brauchten. Das ist jedoch nicht das einzige pädagogisch Sinnvolle in diesen Geschichten. Hat man beide Bände gelesen, weiß man, dass es wichtig ist, immer auch hinter die Fassade eines Menschen zu schauen und dass der Schein durchaus auch mal trügen kann: Im Laufe der Geschichte sogar ihm wahrsten Sinne des Wortes.


Aus Sicht eines Erwachsenen finde ich manche Abenteuer sicherlich überspitzt und realitätsfern, aber es ist ein Jugendbuch und eine fiktive Geschichte und daher absolut in Ordnung.


Fazit:

Immer wieder fühlte ich mich zurückversetzt in die Zeit, als ich 14 Jahre alt und selbst auf Klassenfahrt war. Damals spielten zwar keine Pferde mit, aber ich erlebte meine ersten Frühlingsgefühle, an die ich mich gerne zurückerinnere. Und ich muss schmunzeln, wenn ich mich als 14-Jährige selbst als Protagonistin sehe. Ich lese eigentlich gar nicht gerne. Und wenn mich Bücher dann doch so fesseln, dass ich sie nicht zur Seite legen kann oder im Falle der Hörbücher trotz siebeneinhalb Stunden Laufzeit unbedingt zu Ende hören möchte, dann sind es gute Bücher. Richtig gute Bücher sind es für mich, wenn ich mich so in die Handlung hineinfühle, dass ich mich selbst in der Geschichte sehe.


Ich habe also keineswegs bereut, mir die Hörbücher gekauft zu haben und kann sie – auch für romantisch veranlagte Erwachsene, die ein Herz für Pferde haben – weiterempfehlen.


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