Ich fahre dann mal zum Ponyunterricht

Endlich ist er da, der Tag, auf den ich mich schon so lange gefreut habe. Am Abend werde ich meinen ersten Unterricht am Pferd haben.


Früher hatte ich Angst vor Pferden. Doch dann hat mich das Schicksal zur Pferdefotografie geführt und seitdem habe ich so schöne Dinge erlebt, dass die Angst völlig weg ist. Ich gehe sogar einen Schritt weiter und möchte mich zunächst an der Pflege eines Pferdes beteiligen und später bestimmt auch mehr.


Pferde sind so wundervolle Wesen und Lucinda Prior-Palmer sagt sehr treffend: "Pferde tragen die Geschichte der Menschheit auf ihrem starken Rücken". Was für ein wundervolles Zitat!


Pferde spiegeln wider, was wir Menschen gerade fühlen! Das darf ich am Abend bei meinem ersten Unterricht hautnah miterleben! Ich bin so aufgeregt, was ich in der ersten Stunde alles lernen werde.



Auf dem Weg zum Ponyhof male ich mir schon aus, wie ich spätestens im Sommer mit meinem Pflegepony spazieren gehen werde. Reiten kann ich nicht, das muss ich zugeben. Ein Pferd ist aber nicht nur zum Reiten da, es braucht - wie alle anderen Tiere - auch Pflege und Zuneigung, jemanden, der es lieb hat. Und ich habe viel Tierliebe in meinem Herzen!


Am Hof angekommen, schlüpfe ich schnell in meine Pferdehofschuhe und kann es wirklich kaum erwarten. Meine Lehrerin und ich unterhalten uns kurz und dann gehen wir zu Berry. Er ist ein Welsh-Pony und hat mit seinem Kumpel Yakari, den ich liebevoll Glubschi nenne, wohl schon so Einiges mitgemacht. Andrea, meine Lehrerin, erzählt mir, dass ich mich Berry nicht von vorn nähern kann, weil er dann Angst hat, das geht nur von hinten. Außerdem hat er Angst vor einem Besen, weswegen ich unbedingt darauf aufpassen muss, dass er immer eine Ausweichmöglichkeit hat, wenn ich die Putzreste wegkehre.


Mir blutet das Herz und meine Angst, ihm durch mein Unwissen wehzutun wächst. Berry und ich, wir sind beide aufgeregt. Das ist aber nicht so ungewöhnlich, schließlich kennen wir uns ja noch gar nicht. Zunächst geht Andrea mit uns beiden an den Putzplatz und ich lerne den Pferdeknoten. Den habe ich schon immer bewundert und nun weiß ich auch, was dahintersteckt. Ob ich bis zum nächsten Mal noch weiß, wie der gemacht wird? Falls nicht, wird Andrea mir sicher helfen.


Nun lerne ich die verschiedenen Bürsten kennen, um ein Pferd zu striegeln. Meine Lieblingsbürste habe ich schnell gefunden und ich lege los, wenn auch etwas zögerlich. Ich möchte Berry schließlich nicht wehtun. Doch ihm scheint es zu gefallen, er bleibt nämlich brav stehen.



Jetzt kommt die für mich größte Herausforderung. Ich soll die Hufen auskratzen. Bitte was soll ich? Auf meinen Einwand hin, dass ich das noch nie gemacht habe, antwortete Andrea kurz und bündig: "Ich weiß". Da stehe ich also nun und soll gleich in der ersten Stunde etwas tun, wovor ich wirklich Angst habe. Hufe auskratzen sieht so brutal aus und ich denke immer, dass es den Pferden doch wehtun müsse. Nun gut, ich will mich aber auch nicht blamieren und lege einfach mal los. Berry merkt bestimmt, dass ich Angst habe, doch er hebt brav die Hufe und lässt die Prozedur über sich ergehen. Mit den hinteren Hufen habe ich so meine Probleme, weil ich nicht so recht weiß, wie ich Berrys Bein heben soll und wieder Angst habe, ihm wehzutun. Das merkt wohl auch er, denn so recht will er mir seine Hufe nicht geben. Ich will aber ehrlich sein, ich finde die Situation amüsant und muss kichern. Andrea hilft mir amüsiert und dann klappt es auch mit den hinteren Hufen. Ich bin stolz auf mich, meine bis dahin größte Angst ist besiegt.


Jetzt dürfen Berry und ich noch auf den Reitplatz gehen und führen üben. Das finde ich toll. Ich bekomme ein paar Tipps, wie ich das am besten mache und dann laufen Berry und ich ein bisschen rum. Auf dem Platz ist noch eine weitere Reiterin und Berry will plötzlich etwas schneller gehen. Instinktiv reagiere ich richtig, wie mir Andrea dann sagt. Darauf bin ich sehr stolz. Und ich entspanne mich mit jedem Schritt, den Berry und ich laufen. Berry tut das auch, er schnaubt und gähnt wenig später sogar. Mein größter Erfolg!


Andrea und ich bringen Berry später zurück in seine Herde. Der Unterricht ist beendet und ich bin glücklich.


Das war nicht mein letzter Ponyunterricht, das ist sicher. Coronabedingt warte ich nun seit mehreren Monaten auf die nächste Möglichkeit, wieder Unterricht nehmen zu können und hoffe sehr auf die Zeit nach dem jetzigen Lockdown.


Meine Vorfreude auf die Zeit, in der ich mein Pflegepony dann allein betüddeln darf, wächst.


(Anmerkung der Redaktion: Auf den Bildern bin ich nicht ich, sondern eine junge Frau, die ich mit ihrem Fjordhengst fotografiert habe!)

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