Reiten lernen mit 40+


Porträtfoto von Jacky Wodrich mit Reithelm

Hallo, mein Name ist Jacky. Ich bin 41 Jahre alt und mit knapp 104 kg nicht gerade leichtfüßig unterwegs. Und ich möchte reiten lernen. So weit, so gut.


Leider ist genau das nicht so einfach, wie ich dachte. Es ist schwer, eine Reitschule zu finden, die entweder noch freie Plätze für erwachsene Reitanfänger hat oder passende Pferde für Moppel wie mich.


Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich finde es absolut richtig, dass Tiere (in dem Fall Ponys) nicht überbeansprucht werden, denn das Tierwohl steht bei allem, was ich tue immer im Vordergrund. Dennoch macht es mich sehr traurig.




Der erste Termin


Mit Hilfe einer Kollegin habe ich eine Reitschule gefunden. Die ist zwar nicht gerade ums Eck, aber für meinen Traum vom Reiten nehme ich Einiges in Kauf. Mit dem Auto bin ich ja schließlich auch mobil. Dort hätte ich Anfang August 2020 eine Probereitstunde haben sollen. Nach 45 Minuten Fahrzeit und überwundenem Unfallstau vor Ort angekommen, wurde mir erklärt, dass die Reitlehrerin in der Nacht ins Krankenhaus gekommen sei. So musste ich enttäuscht unverrichteter Dinge wieder fahren. Bei allem Verständnis für die Situation grummelt es mir, dass ich nicht vorher informiert wurde, der Termin war schließlich erst nachmittags. So hätte ich mir die rund 30 km einfachen Fahrtweg schlichtweg sparen können. Aber nun gut, es ist wie es ist. Die sympathische junge Dame vor Ort sagte mir noch, dass in dem zweiten dazugehörigen Reitzentrum gerade erst zwei Kaltblüter angeschafft wurden und ich durchaus Glück haben könnte, dort einen Platz zu bekommen. Die Reitstunden dauern dort zwar nur 30 Minuten, das würde mir jedoch nichts ausmachen. Meine Muskeln finden das anfangs sicher auch ganz cool, wenn sie nicht 45 Minuten etwas tun müssen, was sie so noch gar nicht kennen.


Die Googlebewertungen lassen mich zweifeln


Allerdings – muss ich gestehen – bin ich hin- und hergerissen. Natürlich habe ich nach dem Reitzentrum gegoogelt, um die Lage und Entfernung zu recherchieren. Und ja, ich habe auch die Googlebewertungen gesehen: 3,8 von 5 möglichen Sternen. Grundsätzlich lese ich auch immer die abgegebenen Bewertungen. Mitunter lässt sich an diesen auch erkennen, ob da jemand einfach nur bockig unterwegs war oder die Bewertung tatsächlich Hand und Fuß hat. Ich bin hier allerdings nicht ganz sicher. Eine Person schrieb etwas davon, dass die Pferde dort geschlagen würden. Allein, dass zu schreiben lässt in mir die Wut hochkochen. Wenn ich eine Sache wirklich nicht ausstehen kann, dann, wenn Tiere geschlagen bzw. misshandelt werden.


Der zweite Termin


Zwei Wochen später hatte ich dann doch eine Probestunde. Ich war ganz aufgeregt, schließlich hatte ich mir zur Motivation schon einen Reithelm gekauft, der mich mein Ziel „Abnehmen, damit ich reiten lernen kann“ nicht aus den Augen verlieren lässt. Jedenfalls fand ich es prima, dass zumindest versucht werden sollte, dass ich reiten kann. Am Stall angekommen suchten wir das Pony „Bonnie“ in der Herde. Die Reitlehrerin war sich anfangs allerdings nicht ganz sicher, ob Bonnie auch Bonnie ist. Das fand ich schon etwas merkwürdig, muss ich sagen. Aber vielleicht ist das ja auch normal? Da kenne ich mich noch nicht so gut aus. Allerdings denke ich, dass eine Reitschule ihre Pferde – auch wenn sie sich sehr ähneln – auseinanderhalten können sollte? Als ich Bonnie dann sah war ich schon geschockt! Sie sah ziemlich rippig aus. Mit so einem Pony wollte man testen, ob es mich mit meinen damals noch 110 kg tragen könne. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie das Ergebnis war. Natürlich hat das nicht geklappt! Mit nur einem Elefantenfuß als Aufstiegshilfe habe ich nun versucht, irgendwie auf das Pony zu kommen. Da ich mit diesem Gewicht natürlich auch nicht sehr sportlich unterwegs bin, hatte ich so meine Schwierigkeiten. Als ich aber fast soweit war, sackte die arme Bonnie leicht zusammen und wir haben den Versuch abgebrochen. Das tat mir so leid für die arme Maus und ich hatte ein schlechtes Gewissen, dass ich überhaupt zugelassen habe, dass wir es probieren. Schließlich hatte ich ja gesehen, dass sie ziemlich rippig aussieht. So sind wir dann aber fairerweise noch ein Weilchen spazieren gegangen. Das fand ich auch sehr schön und ich hoffe, dass Bonnie mir verziehen hat.


Ich folge meinem Gefühl


Seinerzeit noch begeistert, dass ich einen freien Einzelplatz in der Schule ergattern konnte, bin ich nicht wieder hingegangen. Wir hätten dort natürlich erst einmal ganz von vorn angefangen: Putzen lernen, Halftern lernen und Bodenarbeit. Doch nachdem ich dann beim nächsten Termin ohnehin krank im Bett lag, konnte ich auch einige Tage über die ganze Situation nachdenken und habe beschlossen, meinem unguten Gefühl zu folgen und dort nicht wieder hinzugehen.


Das Ende vom Lied ist also, dass ich immer noch am Anfang stehe. Ich hatte bislang zweimal professionellen Unterricht, kann ein Pony inzwischen putzen, Hufen auskratzen und ein bisschen führen. Aber mehr noch nicht, was natürlich auch der aktuellen Pandemie geschuldet ist.


Eine neue Reitlehrerin


Mir wurde dann Martina Mayer von der Feinen Reitkunst empfohlen. Sie bietet in der Nähe von München mobilen Reitunterricht und Beritt in klassischer Reitkunst an. Nun habe ich natürlich kein eigenes Pferd, aber sie bietet im begrenzten Rahmen auch Reitunterricht auf ihren eigenen Pferden an. Ich finde es super, dass sie erwachsenen Reitanfängern gegenüber aufgeschlossen ist. Wir haben offen und ehrlich über mein Gewicht gesprochen und sie sagte mir, dass ich maximal 80 kg wiegen dürfe, um auf ihren Pferden reiten lernen zu können. Bis dahin wollen wir Bodenarbeit lernen. Martina und ich hatten bislang drei Termine ausgemacht, doch durch den zweiten Lockdown mit weitreichenden Beschränkungen mussten wir unsere Termine immer wieder verschieben. Inzwischen haben wir beschlossen, abzuwarten, bis der Lockdown insoweit aufgehoben wird, dass wir uns treffen dürfen und machen dann einen neuen Termin aus. Bis dahin hoffe ich für sie und alle anderen, die es hart trifft, dass sie sich über Wasser halten können!


Sobald ich bei ihr meine erste Stunde hatte, werde ich Euch natürlich wieder berichten, wie ich mich bei ihr gefühlt habe und ob ich den Unterricht fortsetzen werde. Bis dahin werde ich – wenn mein Hula-Hoop angekommen ist – versuchen, weiter abzunehmen. Körperlich bin ich leider recht eingeschränkt, so dass ich übliche Workouts nicht machen kann. Ich wünschte, ich könnte einem Hund ein schönes Zuhause bieten, dann könnte ich zumindest regelmäßig Gassi gehen, was ja durchaus auch helfen soll, das Gewicht zu reduzieren. Aber ich bin unter der Woche schon immer ca. zehn Stunden außer Haus, so dass es kein schönes Leben für einen Hund wäre.


Vielleicht eine Pflegebeteiligung?


Jacky mit Isländer Nökkvi sitzend im Schnee
Mias Isländer Nökkvi und ich beim Schmusen im Schnee.

Ab April 2021 werde ich versuchen, eine Pflegebeteiligung zu finden, damit ich ein Pony oder Pferd schon einmal betüddeln kann. Warum erst ab April? Nun zum einen dürfte es aktuell ohnehin schwierig sein, etwas zu finden und zum anderen läuft mein Studium zur Fotojournalistin noch bis Ende März 2021. Und ich möchte mich schließlich voll und ganz auf mein Pflegepony/-pferd einlassen können, was mit so vielen Verpflichtungen derzeit einfach nicht möglich ist.

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